Toni
Antonia

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Thema: E-Commerce

E-Commerce Nachhaltigkeit – gibt es das?

Welchen Einfluss hat der Onlinehandel auf unser Klima, wie k├Ânnen Onlineh├Ąndler zum Umweltschutz beitragen und davon profitieren?

Das Thema Nachhaltigkeit ist sp├Ątestens nach Fridays For Future 2019 in der Mitte der Gesellschaft angekommen und nimmt zunehmend auch im E-Commerce eine wichtige Rolle ein. H├Ąndler m├╝ssen sich nicht nur auf eine ver├Ąnderte Nachfrage hin zu nachhaltigen und umweltfreundlichen Produkten einstellen. Auch ein ├Âkologisches Bewusstsein der Unternehmen wird f├╝r Kunden im Onlinehandel immer wichtiger und flie├čt ebenso in die Kaufentscheidung mit ein, wie der Preis. Doch kann man den E-Commerce und Nachhaltigkeit in Einklang bringen?┬á

Wie E-Commerce und Nachhaltigkeit zusammenpassen  

Vielleicht fragt sich jetzt der ein oder die andere, wie ein Onlinehandel ├╝berhaupt schlecht f├╝r das Klima sein kann, da immerhin keine Ladenfl├Ąche und auch weniger Personal ben├Âtigt wird. Tats├Ąchlich steckt der Teufel im Detail, denn auch der E-Commerce verbraucht durch Lagerhaltung, Server und allerhand IT Strom und Energie. Hinzu kommen Emissionen und M├╝ll durch Verpackungen, Versand, Retouren und schlussendlich die gesamte Logistik. 

Einer Trusted Shops Studie zufolge ist ein entsprechendes Bewusstsein f├╝r nachhaltigen Onlinehandel bereits bei 92 Prozent der Befragten vorhanden. Zwei Drittel der Deutschen fordern sogar diese E-Commerce Nachhaltigkeit ein. Weiterhin gewinnt Fairtrade an Bedeutung und wird ebenfalls von Kunden ausdr├╝cklich nachgefragt und eingefordert. Das Potenzial und der Wille sind somit bereits bei der breiten Masse vorhanden und kann von H├Ąndlern auch aus ├Âkonomischer Sicht genutzt werden, um daraus Ums├Ątze zu generieren und das Unternehmensimage zu st├Ąrken.

Verpackungen und Versand im Onlinehandel als Klimakiller

Zu den absoluten Klimakillern im E-Commerce z├Ąhlt die Verpackung und der Versand von Waren. Allem voran ist der anfallende M├╝ll durch F├╝llmaterialien oder zu gro├čen Kartons f├╝r ein vielfach kleineres Produkte ein gro├čes Problem. Es steht au├čer Frage, dass Ware ausreichend f├╝r den Transportweg gesichert werden muss, jedoch setzen bereits viele Unternehmen auf recyclte Verpackungen, beispielsweise das Wiederverwenden von gut erhaltenen Retoure Kartons. Entsprechende Auswahlm├Âglichkeiten im Checkout k├Ânnen mithilfe von Extensions angeboten werden, um Kunden gezielt darauf hinzuweisen, dass auch sie die Wahl haben, einen positiven Beitrag zu leisten.  

Auch im Trend sind biologisch abbaubare F├╝llmaterialien aus nachwachsenden Rohstoffen, wie z.B. Maisst├Ąrke oder Hanf. Ebenfalls gibt es bereits umweltfreundliche Alternativen zum stark ressourcenhungrigen Styropor aus Pilzgeflechen (Myzellium). Auch Verpackungen aus Zuckerrohr und pflanzlich gewonnener Milchs├Ąure (Zucker und St├Ąrke) stellen deutlich nachhaltigere L├Âsungen dar, als ihre Pendants aus Erd├Âl (Polyethylen/PE und andere Kunststoffe). Selbst das Paketklebeband kann durch Papierklebeband ersetzt werden, ohne an Funktionalit├Ąt einb├╝├čen zu m├╝ssen. Somit kann durch kleine Ver├Ąnderungen und Umr├╝stungen bereits ein entscheidender und massiver Unterschied in der M├╝llproduktion und Umweltverschmutzung gemacht werden. 

Vor allem kommt es jedoch auf den bewussten Einsatz von F├╝ll- oder Verpackungsmaterial an. Materialien zu ersetzten ist ein guter und wichtiger Schritt in die richtige Richtung, jedoch ist jede Art von produziertem M├╝ll eine Belastung f├╝r die Umwelt. Daher gilt: Reduzierung der eingesetzten Stoffe und nur so viel Verwendung von Material wie n├Âtig! Das schont den Geldbeutel bei Anschaffungskosten sowie die Umwelt und wirkt sich positiv auf das Unternehmensimage aus. 

E-Commerce Nachhaltigkeit Klimaneutraler Versand
Quelle: DHL klimaneutraler Versand & GoGreen

Auch beim Thema Versand bieten entsprechende Dienstleister sogenannte Green Logistics an und folgen somit dem Trend des Umweltbewusstseins. Der Versandriese DHL setzt beispielsweise auf klimaneutralen Versand. Klimaneutral wird innerhalb Deutschlands automatisch jedes P├Ąckchen und Paket gesendet – ganz ohne Aufpreis! In andere L├Ąnder ist dies auch gegen Aufpreis m├Âglich. Zudem werden im Rahmen des GoGreen Umweltschutzprogramms die durch die Transporte von DHL entstehenden Treibhausgase durch Klimaschutzprojekte ausgeglichen. 

Retouren im E-Commerce: Nicht nur f├╝r H├Ąndler ein gro├čes ├ärgernis

W├Ąhrend bei Verpackungen und Versand auf ‚gr├╝ne‘ Alternativen gesetzt wird, gibt es beim Retourenmanagement in Sachen Nachhaltigkeit den gr├Â├čten Nachholbedarf. Retouren sind nicht immer auszuschlie├čen, lassen sich jedoch durch optimierte Produktdetailseiten (PDP) sowie neue Technologien wie Augmented-Reality vorbeugen. Erhalten Kunden gen├╝gend Informationen dar├╝ber, was sie von Produkten oder Waren zu erwarten haben, ist die Wahrscheinlichkeit der Entt├Ąuschung beim Auspacken geringer und damit einhergehend sinkt auch die Retouren-Rate deutlich. Ebenso kann der Einsatz von Algorithmen dabei helfen, die Vorlieben und W├╝nsche von Kunden besser zu verstehen. Beispielsweise wird bei einem Einkauf auf Zalando auf Grundlage von Nutzerdaten eine empfohlene Gr├Â├če angegeben. Diese Daten basieren auf Retouren von Kunden, welche eine unpassende Gr├Â├če („zu klein“/“zu gro├č“) als R├╝ckgabegrund angaben. 

E-Commerce Nachhaltigkeit Retouren Vermeidung
Screenshot Zalando: Gr├Â├čen-Empfehlung zur Retourenvermeidung

Retouren sind jedoch nicht nur durch ihre Komplexit├Ąt der Bearbeitung sowie dem damit verbundene Ressourcen- und Zeitaufwand zu vermeiden. Sie hinterlassen auch eine immense CO2-Belastung durch doppelt oder sogar dreifache Transportwege. Neben dem kostenintensiven Prozedere ist somit auch der Umweltfaktor eine treibende Kraft, Retouren zu vermeiden.

Der Einfluss des digitalen Fu├čabdrucks 

Jeder, der sich im Netz bewegt hinterl├Ąsst ihn: den digitalen Fu├čabdruck. Wohl meist unbewusst hinterlassen wir im Internet und auf tausenden Servern unsere Spuren in Form von Datenansammlungen. Cloud-Computing vereinnahmt weltweit einen immer weiter steigenden Strombedarf. Neben Privathaushalten h├Ąngen auch Konzerne und Unternehmen aus Industrie, Handel, Landwirtschaft – einfach allen erdenklichen Bereichen – mit am Stromnetz.  Damit dieser Datenverkehr bestehen kann, bedarf es einer Infrastruktur aus Servern, Rechenzentren, ├ťbertragungstechnologie und Endger├Ąten. 

Damit einher geht jedoch auch Elektroschrott, Stromverbrauch und CO2 Emissionen. Warum? Gespeicherte Daten ben├Âtigen Speicherplatz, ist dieser belegt erfordert es neuer Festplatten. Um diese herzustellen, werden unz├Ąhlige Ressourcen verbraucht. Um die Daten zu sichern, wird Energie ben├Âtigt. Und bei der Entsorgung defekter Server, Festplatten etc. entstehen Elektroschrott und Abgase.

Zum Vergleich: Die gesamte Netzinfrastruktur Deutschlands verbraucht so viel Strom wie 10 mittlere Kraftwerke erzeugen k├Ânnten. Mit der Energie, die ben├Âtigt wird, um 20 Anfragen bei Google zu bearbeiten, k├Ânnte eine Energiesparlampe bis zu einer Stunde leuchten. Mit 50 Suchanfragen am Tag, macht dies bereits 26 kg CO2 pro Jahr aus – Tendenz steigend, denn Video- und Musikstreaming produziert noch mehr CO2. 

Der Schutz der Umwelt spiegelt sich demnach auch im Alltag eines jeden Einzelnen wider. Die Suchmaschine Ecosia beispielsweise pflanzt pro Suchanfrage einen Baum, um die entstehenden Emissionen zu neutralisieren. Wer also eine private Suchanfrage startet, sollte auf diesen Dienst zur├╝ckgreifen. 

Als H├Ąndler kann bei der Datenspeicherung auf erneuerbare Energien (Wind, Wasser, Sonne) bei der Stromversorgung gesetzt werden und auch im Unternehmen selbst ist ein Umstieg auf ├ľko-Strom m├Âglich. Die gezielte Kommunikation solcher Ma├čnahmen nach Au├čen hat ebenfalls einen positiven und verkaufsf├Ârdernden Effekt auf die Kaufentscheidung potenzieller Kunden. 

H├Ąndler ohne Lean Management oder ├Âkologisches Bewusstsein werden nicht mehr lange Bestand haben

Nachhaltigkeit ist schon lange keine Ansichtssache mehr, sondern ein Kollektivprojekt, um unsere Erde erhalten zu k├Ânnen. Zunehmend wird das Bewusstsein in der Bev├Âlkerung st├Ąrker und zwingt Unternehmen auch im E-Commerce dazu ihre Strategien hinsichtlich Nachhaltigkeit neu auszurichten und den W├╝nschen ihrer Kunden anzupassen.

Wichtig bei einem Strategiewechsel und dem Umr├╝sten auf ein nachhaltiges Wirtschaften im Onlinehandel ist jedoch immer die Authentizit├Ąt. Unternehmen m├╝ssen – sofern nicht vorhanden – Corporate-Social-Responsibility (CSR) entwickeln und dementsprechend handeln. Denn fest steht, dass Unternehmen und H├Ąndler, welche kein Lean Management oder ├Âkologisches Bewusstsein haben, nicht mehr lange Bestand haben werden in einer Welt, die sich im Wandel befindet.

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