12 Nov´2020

Mit 3D-Body-Scans gegen Retouren im E-Commerce

Vicky
Victoria - Online Marketing
13 min Lesezeit

„Small oder doch lieber Medium, welche Größe habe ich bei diesem Kleidungsstück?“ Diese Frage hat sich mit Sicherheit jeder Onlinekäufer schon einmal gestellt. Die Reduzierung der Retourenquote im Bekleidungssegment ist daher eines der wichtigsten Ziele im E-Commerce. Um dieser Problematik entgegenzuwirken, investierte Zalando in die Fision AG, einem 3D-Body-Scan-Spezialisten aus der Schweiz.

Inhalt

Das System der Body-Scans in Onlineshops

Mithilfe von 3D-Body-Scans, wollen Onlineshops schon seit Jahren die Mehrfachbestellungen reduzieren. Doch nicht nur Onlineshops setzen diese Technologie ein, auch stationäre Händler, wie Levi’s in ihrem Store in Westfield Stratford London 2012, nutzen den Body-Scan, um optimale Kleidungsstücke für die Kunden zu finden. Jetzt springt Zalando auf diesen Zug auf. Mit der Übernahme von Fision, einem Schweizer 3D-Body-Scan-Spezialisten, wollen sie eine Lösung zu dem Problem der richtigen Größenauswahl und Passform im eigenen Onlineshop finden. Ferdinand Metzler, CEO und Gründer von Fision, sagt dazu: „Der Zusammenschluss mit Zalando birgt enormes Potenzial. Unsere Teams haben dieselbe Vision für eine kundenorientierte und nachhaltige Modeindustrie. Wir freuen uns sehr darauf, mithilfe unserer Technologie den Einkauf der über 34 Millionen Zalando-Kunden noch leichter zu gestalten.” 

Retouren vermeiden

Im Vordergrund von Onlineshops mit Body-Scans stehen die Vermeidung von Retouren und Mehrfachbestellungen des gleichen Artikels. Denn Onlinehändler haben oftmals eine Retourenquote von über 45 % und dabei kostet dem Händler das retournierte Päckchen rund 19 €. Es gibt viele Tricks, die Händler bereits nutzen, damit der Kunde auf Anhieb den richtigen Artikel bestellt und nicht retournieren muss. Angefangen bei genaueren Produktbeschreibungen, Produktfotos bis hin zu Bewertungsmöglichkeiten und sogar ausdruckbaren Größenschablonen. Trotzdem gibt es immer noch Probleme bei der Auswahl der richtigen Größe. Mit der Bodyscan-Funktion von meepl will Zalando diesem Problem allemal ein Ende setzen. 

Wie funktionieren 3D-Body-Scans?

Als aller erstes unterscheidet man grob zwischen einem Körperscanner, wie man sie beispielsweise auf Flughäfen findet und einem virtuellen 3D-Body-Scan wie er von Fision verwendet wird. Bei einem Körperscanner am Flughafen wird anhand von Terahertz-Wellen durch die Kleidung eines Menschen gescannt. Diese Informationen sind jedoch für Onlineshopping irrelevant. In diesem Bereich wird mit Scannern gearbeitet, die sich als App downloaden lassen. Oder wie es aus den Schuhgeschäften bekannt ist, der Umriss eines Fußes bzw. Körpers gemessen wird.
Die Fision AG, bekannt unter dem Namen meepl, scannt den Körper eines Menschen mit einer App, die kostenlos im App Store und Google Play verfügbar ist. Danach erstellt diese einen Art Avatar von dir, dem du Kleidung anziehen kannst und Größenvorschläge bekommst.

Zozosuit – der Anzug mit den weißen Punkten

Schon 2018 hat der größte japanische Onlinehändler Start Today, den Zozosuit auf den Markt gebracht. Dabei wurde dem Kunden kostenlos ein schwarzer Anzug geschickt, welcher mit vielen weißen Punkten bedruckt war. Der Kunde stellte sich mit diesem Anzug vor sein Smartphone und ließ sich scannen. Die App wertete anschließend die Daten aus und generierte ein 3D-Modell des Körpers und bot dem Kunden passende Kleidung an. Aufgrund verschiedener Probleme mit dem Versand und der am Ende doch nicht passenden Kleidungsstücke zog sich das Unternehmen 2019 wieder aus den Märkten in den USA und Europa zurück. 

Zozosuit und Body-Scan

Frustfreies Onlineshopping 

Mit der Integration von 3D-Body-Scans in Onlineshops ergibt sich neben der genaueren Größenempfehlung für den Kunden, auch eine Reduzierung der Retouren für den Händler und ein allgemein frustfreieres Shoppen. 

Für Personen, die immer wieder Probleme bei der Auswahl der richtigen Kleidungsgröße haben, wird der Bodyscan ein klarer Vorteil sein. Egal, wie der Körper dieser Personen geformt ist, der Scan vermisst dich und kann dir genaue Auskunft darüber geben, ob der gewünschte Artikel passt. Ebenfalls, je nach Scanner, kann das Kleidungsstück einem virtuellen „Ich“ angezogen werden, damit würde der Kunde sofort sehen wie das Kleidungsstück am Körper sitzt. Damit fällt auch das Mehrfachbestellen in einem gewissen Ausmaß weg und das Einkaufserlebnis wird mit einer positiven Erinnerung abgespeichert.

Die Problematiken der Body-Scans

Leider gibt es aus heutiger Sicht nicht nur Vorteile, die sich durch die Integration der Bodyscans in Onlineshops ergeben. Angefangen beim Wegfall der Fitting Models bis hin zur Ausgrenzung der eigenen Meinung.

Der Anfang vom Ende der Fitting Models

Schon seit einiger Zeit verfolgt Zalando den Ansatz der Retourenvermeidung durch eigene Fitting Models. Models verschiedener Konfektionsgrößen probieren hierbei diverse Kleidungsstücke und Schuhe an und werten anschließend aus, ob der Artikel gut sitzt oder etwas größer bzw. kleiner ausfällt. Das Team, bestehend aus Models, Business Developer, Data Scientists und Software-Ingenieuren, trägt die gewonnenen Daten in eine Datenbank ein. Durch Maschine-Learning und der großen Datenbestände, kann Zalando bestimmen, welche Größe dem Kunden passen würde sowie Empfehlungen abgeben.

Bisher fließt in die optimale Größenempfehlung noch das Empfinden des Kunden ein. Jeder Kunde, der ein Kundenkonto auf Zalando hat, kann nach seinem Einkauf die Kleidungsstücke auf ihre Passform bewerten. Je mehr ein Kunde bewertet, umso genauer wird die Größenempfehlung für ihn. 

Subjektive Meinung fällt weg

Die Problematik, die sich nun durch einen 3D-Body-Scan ergibt, ist nicht nur der potenzielle Wegfall der Fitting Models, sondern auch das damit verbundene persönliche Empfinden. Nimmt man an, jeder Kunde, der etwas bestellen möchte, muss erst seinen Körper scannen und erhält „maßgeschneiderte“ Angebote, dann weiß der Kunde was ihm theoretisch auf seinen Körper zugeschnitten am besten passen würde. Jedoch das persönliche Empfinden der Fitting Models, wie beispielsweise aufgrund des Materials empfehlen sie eine Nummer größer zu kaufen, fällt weg. Oder der Kunde trägt gerne einen lockereren und oversized Schnitt, den er ebenfalls abhängig vom Material macht, dann kann der Computer das nicht vorhersagen und zeigt dem Kunden falsche Auswahlmöglichkeiten. Dies kann im folgenden zu einem Kaufabbruch führen.

Body-Scans und Datenschutz

Seit der Einführung der DSGVO gelten strengere Richtlinien bezüglich der Handhabung persönlicher Daten. Bisher findet man keine eigenen Richtlinien zum Datenschutz und Body-Scanning. Die Firma Fision gibt auf ihrer Website Auskunft über die eigene Datenschutzerklärung und wie sie personenbezogenen Daten handhaben. Grundsätzlich dürfen nur Personen die 16 Jahre oder älter sind die Dienste von Fision benutzen, anderenfalls muss eine elterliche Erlaubnis an den Support geschickt werden. Möchte der Kunde den personenbezogene Daten widersprechen, kann er dies jederzeit tun. 

Trotzdem wissen die User nicht, was genau mit ihren Daten gemacht wird. Bietet ein Onlineshop keine App für Smartphones an und der Kunde muss in eine externe 3D-Body-Scan-Kabine gehen, weiß dieser nicht, was genau von ihm gescannt wird und welche Daten weiterverarbeitet werden. Im schlimmsten Fall könnte das Gerät, wie die Körperscanner am Flughafen, in der Lage sein ein „Nacktbild“ zu erstellen. Solche streng privaten Daten sind nicht für den kommerziellen Zweck gedacht. Mit fortschreitender Popularität des Body-Scannings bei Onlineshopping wird mit Sicherheit eine Datenschutzrichtlinie kommen, die vorgibt wie mit solchen Daten umgegangen werden muss. 

Fazit: 3D-Body-Scans haben großes Potenzial

Body-Scans gibt es schon länger, doch bisher hat im E-Commerce die Anbindung von 3D-Scans noch nicht funktioniert. Im Großen und Ganzen haben solche Scans trotzdem ein sehr großes Potenzial. Mit der Einführung von Body-Scans wird das Onlineshopping für viele Menschen vereinfacht werden und bestenfalls die Retourenquote der Händler sinken. Wie Zalando in Zukunft den meepl-Scanner einsetzen wird? Wir wissen es nicht, auf jeden Fall sind wir gespannt und warten was die Zukunft bringt.

Mit 3D-Body-Scans gegen Retouren im E-Commerce 1

Jetzt Anfragen und mehr erfahren!

Quellen:
t3n.de, glossy.co, nordic9.com, corporate.zalando.com, meepl.com, fashionunited.de, heise.de, verdict.co.uk