03 Dez´2020

Produktpiraterie: Der Kampf gegen gefälschte Waren im Onlinehandel

Vicky
Victoria - Online Marketing
14 min Lesezeit

Sie sind günstig, sehen täuschend echt aus und mit nur einem Klick bestellt. Mit dem stetigen Wachstum des Onlinehandels nimmt ebenso die Anzahl der Fake-Waren im E-Commerce zu. Nun hat sich Amazon mit DHL sowie der US-Zollbehörde zusammengeschlossen, um der Produktpiraterie entgegenzuwirken.

Inhalt:

Produkt- und Markenpiraterie erklärt

Unter dem Begriff Produktpiraterie (engl. counterfeiting), versteht sich das Geschäft mit Nachahmer-Waren. Das Ziel dieser Produkte ist es dem Original möglichst ähnlich zu sein. Dabei werden sämtliche Marken-, Urheber- oder Patentrechte verletzt. 

Viele deutsche Nutzer erinnern sich, wenn sie an gefälschte Markenware denken, an den letzten Strandurlaub zurück und die dortigen Marktstände. Ein kleines Mitbringsel des beliebten Fake-Parfums „Bugo Hoss“ erwies sich aber für viele Unternehmen weitaus ärgerlicher als nur für den bekannten Duft- und Mode-Hersteller. Denn egal welches Produkt, solange es einen guten Absatz oder Bekanntheitsgrad erzielt, landet im Visier der Plagiatoren. 

Produktpiraterie
Küchen-Schneidgerät „Nicer Dicer Quick“
Links Original: Genius GmbH, Limburg, Deutschland
Rechts Fälschung: Ningbo A-Biao Plastic Industry & Trade Co., Ltd., VR China
Quelle: plagiarius.com

Nachfrage und Angebot 

Ganz nach dem Prinzip, die Nachfrage bestimmt das Angebot am Markt, produzieren Fälscher Nachmachen und schummeln diese unter die beliebten Originalwaren. Dabei ist keine Branche sicher! Fälschungen sind zu jeder Tages- oder Nachtzeit auf der ganzen Welt verfügbar. Und der höchste Verkaufswert, der dabei erreicht werden kann, ist über das Internet und lange nicht mehr über einen kleinen Marktstand. Die Anonymität und schier unbegrenzte Reichweite werden dabei schuldlos ausgenutzt.

Früher beschränkten Plagiat-Hersteller ihre Produkte noch auf Fashion- und Kosmetikartikel. Dank fortschreitender Technologien, werden diese Schwarzmarktaktivitäten jedoch ausgeweitet und auf Fachartikel wie Werkzeug, Ersatzteile oder gar ganze Maschinen angewendet. Die Konsequenzen, die daraus entstehen und oftmals Leib und Leben bedrohen werden ignoriert. 

Reputation und Umsatzeinbußen

Für Onlinehändler stellen Plagiate eine große Bedrohung dar, nicht nur Umsatzeinbußen sind die Folge, auch die Reputation und Glaubwürdigkeit wird geschädigt. Denn bestellt ein Kunde ein Produkt in einem Onlineshop, welcher seine Händler nicht geprüft hat, so kennt der betrogene Kunde nur den Namen des Shops und nicht des eigentlichen Herstellers. Somit schädigen öffentlich gemachte Betrugsvorwürfe die Website und dessen Image.

Das Problem: Das Geschäft mit den Fälschungen birgt für den Urheber kaum Risiken, sie bauen in kürzester Zeit lukrative und weltweit verstrickte Vertriebskanäle auf. Die direkten Konsequenzen betreffen den Sparfuchs, der das Angebot kauft und den Onlineshopbetreiber, der das Angebot erlaubt und veröffentlicht. 

Der Kampf gegen Produktfälschungen

Egal ob online oder stationär gekauft wird, die Ware aus dem Ausland muss erstmals in das Land des Verbrauchers oder Händlers gebracht werden. Dabei muss jede Ladung am Zoll vorbei und wird auf dessen Echtheit geprüft. Bei einer kürzlichen Grenzbeschlagnahme von Produktfälschungen haben Zöllner am Zollamt Suben-Autobahn (Österreich) Kleidung mit illegal verwendeter Markenlogos aus dem Verkehr gezogen. Der Wert der vergleichbaren Originale würde über 300.000 Euro betragen.

Im Jahr 2019 hat der deutsche Zoll 132 Beschlagnahmen von Waren gemäß § 151 Markengesetz verzeichnet. Dabei wurden 1.532.749 Produkte im Wert von 6.145.523 € beschlagnahmt. Der Großteil dieser aufgegriffenen Waren stammt aus China mit rund 51 %.

Produktpiraterie: Der Kampf gegen gefälschte Waren im Onlinehandel
Quelle: Zoll.de

Gefälschte Produkte in Onlineshops erkennen

Handtaschen, Uhren, Make-up oder Werkzeuge, gefälschte Produkte sind überall zu finden. Trotzdem gibt es einige Schlüsselfaktoren, wie schnell erkennbar ist, ob es sich um Originalware oder eben nicht handelt. 

  • Tipp 1: Homepage kritisch überprüfen

Als aller erstens sollte vor einem Kauf die URL des Shops betrachtet werden, handelt diese von Pflanzen und der Shop vertreibt aber Schuhe ist dies ein eindeutiges Indiz für einen Fake-Shop. Des Weiteren sollte der gesamte Shop, vor allem die AGBs und das Impressum auf Rechtschreib- und Grammatikfehler geprüft werden. Gütesiegel sind besonders beliebt gefälscht zu werden.

  • Tipp 2: Produktpreise vergleichen

Das Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz rät zusätzlich bei niedrigen Preisen, das Produkt auf anderen Shops zu vergleichen. Bietet ein Shop die Ware sehr viel günstiger an als offizielle Händlerseiten, sollte der Verbraucher stutzig werden.

  • Tipp 3: Produktbilder analysieren

Verpixelte oder Bilder schlechter Qualität sind ebenfalls ein Anzeichen für Plagiate. Zusätzlich stehlen Betrüger oft Fotos von Influencern oder anderen Brands und verwenden diese für ihren eigenen Shop. Zur Überprüfung, ob das Produktfoto noch öfter im Web auftaucht kann ein Link oder Screenshot in beispielsweise der Google Bildersuche gecheckt werden.

  • Tipp 4: Kundenbewertungen beachten

Bewertungen sind nicht nur bei der Überprüfung von Produktpiraterie empfehlenswert. Generell ist es sinnvoll sich vor dem Kauf einmal die Kundenbewertungen durchzuklicken. Denn sind die Kommentare vorwiegend negativ und weisen auf betrügerische Machenschaften hin oder extrem positiv, in einem Ausmaß der schon Suspekt wirkt, ist dies ein weiteres Indiz für Produktpiraten.

  • Tipp 5: Eine sichere Bezahlmethode wählen

Zu guter Letzt die Bezahlmethoden. Bietet der Shop nur eine Bezahlmethode an und ist diese auch noch Vorkasse, sollten alle Alarmglocken läuten. Sicherer sind Seiten, die PayPal unterstützen, oder Zahlung per Kreditkarte. Bei diesen Zahlungsmöglichkeiten besteht die Möglichkeit das Geld wiederzubekommen.

Europäer lehnen Produktpiraterie ab

Laut des Berichtes des EU-Amtes für geistiges Eigentum (EUIPO) ist das Bewusstsein für den Wert von geistigem Eigentum deutlich gestiegen. Nur mehr fünf Prozent der EU-Bürger geben an, in den vergangenen zwölf Monaten ganz bewusst gefälschte Ware erworben zu haben. Zusätzlich geben weitere acht Prozent an, im gleichen Zeitraum, auf Online-Angebote illegaler Quellen zugegriffen zu haben. Bei der letzten vergleichbaren Umfrage aus dem Jahr 2017 wären die Zahlen noch bei sieben und zehn Prozent gelegen. 

Die anhaltende Pandemie habe den Trend gegen Fälschungen vermutlich verstärkt. EU-Bürger sind sich der negativen Auswirkungen der Unterstützung von Piraterie bewusst. In einer repräsentativen Studie, bei der mehr als 25.000 Menschen in alle 27 EU-Ländern befragt wurden, schneidet Deutschland mit jeweils vier und sieben Prozent auf überdurchschnittlich positive Zahlen. Mehrheitlich waren es jungen Verbraucher zwischen 15 und 24 Jahren, welche vermehrt Fälschungen erworben haben. Doch auch diese lehnen Digital- und Produktpiraterie zunehmend ab.

Amazon startet Markenschutz-Programm

Amazon hat kürzlich angekündigt eine konzentrierte Aktion gegen Warenfälschungen gestartet zu haben. Dabei hat sich der Konzern mit der US-Zollbehörde CBP und dem Logistiker DHL verbunden. Mit dem Ziel: Fälschungen sollen erst gar nicht erst in die USA kommen. 

Ganz neu ist die Idee von Amazon nicht, denn der Onlinemarktplatz arbeitet schon länger mit der Zollbehörde Customs and Border Patrol (CBP) zusammen, um Plagiarismus schnell aufzuspüren und ihren Vertrieb zu stoppen. Das neue Projekt „Operating Fulfilled Action“ ist dabei größer angelegt. Mit an Bord ist jetzt der Logistiker DHL, zusammen wollen alle Beteiligten ihre jeweiligen Erfahrungen und Daten über typische Warenflüsse zusammenführen und auswerten. 

Für Europa ist ein ähnliches Programm gedacht, der „IP Accelerator“. Es soll kleinen Unternehmen beim Schutz ihrer Marken und bei der Bekämpfung von Fälschungen unterstützen. Amazons neues Programm, der „Intellectual Property Accelerator“ ermöglicht kleinen und mittleren Unternehmen „leicht und kostengünstig“ ihre Marken zu registrieren, sowie die Rechte am geistigen Eigentum und Brands zu schützen. Ebenfalls soll somit gegen gefälschte Waren vorgegangen werden. Zu finden ist der IP Accelerator in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich.

Produktpiraterie
Quelle: Amazon

Das Prinzip

Das Programm verbindet Unternehmen direkt mit einem Netzwerk europäischer Anwaltskanzleien, die auf gewerbliche Schutzrechte spezialisiert sind. Die berechtigten Unternehmen können dann Hilfe für Markenanmeldeverfahren beantragen oder sich eine allgemeine Beratung zum geistigen Eigentum einholen. Amazon berechnet für die Verwendung des Programms keine Gebühren, die Unternehmen müssen nur die Kosten für die beanspruchten Leistungen bei den Kanzleien tragen.

Mehr zum Thema: https://brandservices.amazon.de/

Fazit: gefälschte Waren, bald verschwunden?

Realistisch gesehen wird Produkt- und Markenpiraterie immer ein Bestandteil unseres Waren-Marktes sein, doch durch gezielte Konfrontation, wie Markenschutz oder strengere Gesetze, wird es für die Betrüger schwieriger werden ihre Plagiate anzubieten. Bestenfalls werden durch die strengen Auflagen viele abgeschreckt und beginnen erst gar nicht Warenfälschungen herzustellen. Verbraucher können so gelassener Onlineshopping betreiben, ohne die Angst in betrügerische Machenschaften zu gelangen. Wichtig ist es als Konsument, sich Gedanken zu machen, einen Shop kurz zu überprüfen und erst dann zu bestellen. Nur so kann nachhaltig Produktpiraterie gestoppt werden.

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Quellen:

internetworld.de, techbook.de, t3n.de, onvista.de, idowa.de, euipo.europa.eu, wirtschaftslexikon.com, zoll.de, 3step-checkout.de