12 Nov´2020

Cross Border E-Commerce: Grenzüberschreitender Handel wächst!

Toni
Antonia - SEO & Online Marketing
11 min Lesezeit

Cross Border E-Commerce bezeichnet den grenzüberschreitenden Onlinehandel. Der Begriff wird verwendet, wenn Kunden Waren per Online-Einkauf aus dem Ausland beziehen und gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Unternehmen und Händler weltweit vertreiben ihre Waren nicht mehr nur lokal, sondern erweitern ihren Geschäftsradius auf dem internationalen Markt. Diese Internationalisierung des Handels ist unausweichlich und für Konsumenten als auch Händler bereits fester Bestandteil des täglichen Lebens in einer globalisierten Gesellschaft. 

Inhalt

1. Gründe für das online Einkaufen im Ausland
2. Cross Border E-Commerce in der EU
3. Ist internationaler Handel durch die Zollpflicht gehemmt?
4. Brexit: Neue Herausforderungen für den Cross-Border-Markt 
5. FAZIT

Gründe für das online Einkaufen im Ausland

Laut einer Umfrage von PWC gaben 71 % der befragten Internetnutzer in Deutschland an, in den vergangenen zwei Jahren mindestens einmal Waren aus dem Ausland bestellt zu haben. Dabei überstieg der Bestellwert bei den Wenigsten (4 %) die 150€-Grenze. Als einer der maßgeblichen Gründe für das zurückhaltende Kaufverhalten in ausländischen Shops sind bei jedem Dritten Bedenken bezüglich ausbleibender Lieferungen, Gebühren und Zöllen sowie die Gewährleistung und Garantie. Entscheidend für das online Einkaufen im Ausland und einen entsprechenden Kaufabschluss ist oftmals die Währung. Einer weltweiten Umfrage von Paypal zufolge fühlen sich 57 % der Befragten unwohl, in einer fremden Währung Waren zu kaufen und 76 % präferieren eine Zahlung in inländischer Währung.

Laut dieser Umfrage gehören Kleidung und Schuhe, mit 68 % der Befragten, zu den am häufigsten gekauften Cross Border Gütern. Gefolgt von (Unterhaltungs-) Elektronik, wie Computer, Konsolen, Mobiltelefone, Musik und Bücher sowie Spielwaren mit je 53 %.

Beliebteste Güter
Quelle: PayPal

Als häufigsten Grund (72 %) für Auslandseinkäufe gaben Käufer in der Umfrage von Paypal einen besseren Preis als im Inland an. Zudem spielt die Verfügbarkeit von Produkten eine Rolle. Einige Produkte sind nicht (mehr) im Inland erhältlich oder ausschließlich im Ausland verfügbar, weshalb viele Konsumenten auf grenzüberschreitendes Shopping zurückgreifen und dafür längere Wartezeiten sowie weitere Transportwege in Kauf nehmen. Nur etwa 20 % der Teilnehmer der Umfrage, erwarten einen Rückgang von Online Auslandseinkäufen aufgrund von Umweltbedenken, obwohl sich in einer weltweiten Umfrage der International Post Corporation (IPC) 60 % der Befragten für eine nachhaltige Verpackung und 47 % für CO2-neutralen Versand aussprachen. 

Cross Border E-Commerce in der EU

Der Cross Border E-Commerce Markt in der EU ist insbesondere innerhalb seiner Mitgliedsstaaten attraktiv. Für die meisten Güter entfallen Zölle, wenn der Warenverkehr innerhalb der EU stattfindet. In bestimmten Fällen gelten Ausnahmeregelungen und Beschränkungen. Diese beziehen sich jedoch auf Steuerzahlungen für Güter wie Alkohol, Tabak oder Kaffee.

Das Vertrauen in Unternehmen oder Online-Händler aus der EU ist aufgrund der einheitlichen Rahmenbedingungen größer. Weiter lässt sich dies mit der Währungsunion und der kulturellen Nähre innerhalb der EU-Länder begründen. Zudem wurden EU-weite Regelungen für cross-border Paketlieferungen und einheitliche Verbraucherschutzbestimmungen eingeführt. Allgemein empfindet die Mehrheit der Deutschen die Leistungen von europäischen Onlineshops im Vergleich zu deutschen Onlineshops genauso gut oder sogar besser. Diese Einschätzung bezieht sich auf Liefertermin, Verpackung und Lieferkosten. 

Laut Cross Border Commerce Europe erwirtschafteten europäische Unternehmen 55 % des Gesamtumsatzes mit grenzüberschreitendem Handel.  

Europa 55% des Handels
Quelle: cbcommerce

Ist internationaler Handel durch die Zollpflicht gehemmt?

Besondere Sorge haben Onlineshopper laut der PWC-Umfrage vor hohen Zollzahlungen. Für Sendungen aus Nicht-EU-Ländern gilt grundsätzlich eine zollamtliche Abfertigungspflicht. Zu zahlende Zölle oder Steuern sind nach Wert und Art der Ware zu bestimmen. Viele Konsumenten schrecken vor den anfallenden Zahlungen und dem entstehenden Aufwand, Sendungen beim Zoll abholen zu müssen, zurück. Darin lässt sich auch die Begründung für Bestellungen bis zu einem Wert von 150 € erkennen, da unter diesem Wert weder Einfuhrabgaben noch Zollgebühren im internationalen Handel anfallen. 

Um diese Hürde zu kompensieren, bieten zahlreiche Anbieter einen EU-weiten, versandkostenfreien Versand oder internationales Free-Shipping an. Dies soll Konsumenten den Anreiz geben, trotz eventueller Zollgebühren, den Kauf abzuschließen. Zu den Top Retailern weltweit gehören der Versandriese Amazon, Alibaba und Walmart. 

Cross Border E-Commerce Big Retailer

Brexit: Neue Herausforderungen für den Cross-Border-Markt 

Eine neue Herausforderung für Cross Border E-Commerce stellt der zum Februar 2020 beschlossene Austritt Großbritanniens aus der EU dar. Fast die Hälfte der deutschen Online-Käufe im EU-Raum werden allein in Großbritannien getätigt (47 %). Dies bedeutet für Händler aus dem Vereinigten Königreich eine Anpassung ihrer Vertriebsstrategie. Besonderes Augenmerk muss auf E-Commerce Trends gelegt und neue Absatzmöglichkeiten erschlossen werden, um den Einkauf aus dem zukünftigen Nicht-EU-Land, trotz Zöllen, attraktiv zu halten. Bis Ende des Jahres 2020 sollen keine zollrechtlichen Änderungen vorgenommen werden. Nach dieser Übergangszeit bleibt abzuwarten, wie sich der Handel danach verändern wird.

Fazit

Die Kaufbereitschaft für Online-Käufe im Ausland steigt. Laut Eurostat kauften im Jahr 2019 bereits 18 % der Deutschen zwischen 16 und 74 Jahren in Nicht-EU-Ländern online. Zu den beliebtesten grenzübergreifenden Marktplätzen der Deutschen außerhalb der Europäischen Union zählt China und das Vereinigte Königreich als (noch) EU-Mitglied. 

Beliebteste Cross Border E-Commerce Länder

Aufgrund oftmals günstigerer Preise (inkl. Versand) und höherer Verfügbarkeit von limitierten Produkten, wird grenzüberschreitender Handel weltweit zunehmen. Dies ist vor allem durch den wachsenden E-Commerce Markt zu begründen und in stark zunehmenden globalisierten Gesellschaft. Ein Online-Kauf in China wird genauso zur Normalität werden wie ein Einkauf im Supermarkt gegenüber. Eine große Herausforderung für Unternehmen in Großbritannien wird das Ende der Übergangsfrist des Brexits im Dezember 2020 sein. Hier bleibt abzuwarten, wie sich das Einkaufsverhalten von europäischen Käufern verändert wird.

Unternehmen müssen zunehmend international denken, um ihre Produkte erfolgreich auf dem grenzüberschreitenden Markt  abzusetzen. Entscheidende Faktoren sind dabei das Vertrauen in das Unternehmen, welches durch eine Bezahlmöglichkeit in der heimischen Währung und Trust-Siegel (wie bspw. TrustedShops) gestärkt wird. 

Wenn du mit deinem E-Commerce-Geschäft auch grenzüberschreitend erfolgreich sein willst, ist es fundamental wichtig die jeweiligen Märkte und Länder zu analysieren und Wachstumspotentiale richtig einzuschätzen. Die Wünsche und Bedürfnisse von Kunden sind regional sehr unterschiedlich und müssen von Händlern individuell berücksichtigt werden. Vertrauen spielt im grenzüberschreitenden E-Commerce-Markt eine einflussreiche Rolle und entscheidet über eine erfolgreiche Conversion oder einen Bounce Back.

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Quellen: cbcommerce.eu, pwc, statista, ipc, paypal, zoll.de, webdata-solutions