Toni
Antonia

· 13 min Lesezeit

Thema: E-Commerce

Der Webshop Vergleich führender Cloud-Shopsysteme

Shopify vs. Shopware vs. WooCommerce

Beim Aufbau einer Onlinepräsenz ist auf zahlreiche Aspekte zu achten, um mit der stetig wachsenden Konkurrenz mithalten zu können. Am Anfang jeglicher Optimierung steht die Auswahl des passenden Shopsystems. In diesem Artikel stehen führende Systeme für Onlineshop und Webshop im Vergleich, zudem wird es verstärkt um Cloud-Shopsysteme gehen. Los geht’s.

Sind Cloud-Shopsysteme die Zukunft?

Der Onlinehandel boomt und der Handelsumsatz stieg – bedingt durch die Corona-Pandemie – um ganze 117 Prozent (Stand: März 2021). Insbesondere KMU aus dem stationären Handel wagten in den vergangenen Monaten den Schritt in Richtung Onlinehandel. 

Für diese Unternehmen ist es jedoch schwierig sich im boomenden E-Commerce zu behaupten und sich gegen den starken Konkurrenzdruck durchzusetzen. Es fehlt oftmals an Know-How, Ressourcen und Budget. 

Eine kostengünstige Alternative zum bekannten Shop-Hosting mit eigenen IT-Ressourcen, CMS oder Open-Source Systemen stellen cloudbasierte Shopsysteme dar. Dieses sogenannte Cloud Computing kann ohne großen eigenen Entwicklungsaufwand umgesetzt werden. Der größte Unterschied zwischen dem Shop-Hosting und dem Cloud-Computing ist dabei das Ressourcenmanagement. 

Cloud-Shopsysteme werden rein online verwaltet. Dies wird auch Software-as-a-Service (SaaS) genannt, da hierbei die Software des Shops nicht auf einem oder mehreren Servern läuft, sondern Ressourcen, je nach Bedarf, dynamisch vergeben werden. Hierbei wird die Shop-Performance hochgehalten und gleichzeitig sehr kosteneffizient gearbeitet.

Jedoch können die zahlreichen Vorteile der Cloud-Shopsysteme auch zu Nachteilen werden.  

Pro:
+ reduzierter IT-Aufwand im eigenen Unternehmen
+ hohes Einsparpotential
+ großartige Flexibilität hinsichtlich der Rechenkapazität
+ schnellere Ladegeschwindigkeiten = Wettbewerbsvorteile
+ Cloud-Anbieter übernimmt Aktualisierung, Wartung und Sicherung der Systeme
+ erhöhte Ausfallsicherheit gegenüber klassischen Hosting/Rechenzentrum (insbesondere bei DDoS-Angriffen)

Contra:
– hohe Abhängigkeit vom Cloud-Anbieter
– Umsetzung individueller Wünsche kaum möglich
– DSGVO-Konformität personenbezogener Daten (Datenschutz) muss sichergestellt werden. Bei Verstößen macht sich der Shopbetreiber trotz Cloud-Anbieter haftbar❗️Achtung! US-amerikanische Cloud-Anbieter sind nicht an Datenschutzvorgaben der EU gebunden und müssen gespeicherten Daten an US-Behörden weitergeben.

Im Folgenden gehen wir etwas weiter in die Materie und beleuchten verschiedene Cloud-Shopsysteme miteinander.

Shopify vs Shopware: Wer bietet das flexiblere Shop-Design?

Shopify ist ebenso wie Shopware eines der bekanntesten Shopsysteme. Der kanadische Shop-Software-Anbieter ist weltweit einer der führenden sowie ersten E-Commerce-Software Anbieter für cloudbasierte Shopsystem-Lösungen und bislang hauptsächlich in Nordamerika vertreten. Dennoch bekam das System in den vergangenen Jahren vermehrt Aufmerksamkeit auf dem europäischen und somit auch auf dem deutschen Markt. 

Shopify glänzt vor allem durch eine einfache Konfiguration sowie eine intuitive Handhabung nach Baukastenprinzip. Dies erleichtert es vor allem kleinen und mittelständigen Unternehmen, ohne großes technisches Verständnis, schnell, einfach und ohne Programmierkenntnisse einen Onlineshop zu erstellen und diesen mit ihren Produkten oder Inhalten zu befüllen. Anhand von Templates lassen sich per Drag-and-Drop Landingpages, Blogbeiträge oder Produkte strukturieren und pflegen.

▶︎ Kostenpflichtige, leistungsfähige Cloud-Plattform 

▶︎ Geschlossenes System (Backend nicht veränderbar)

▶︎ SaaS-Lösung (Software as Service)

▶︎ „All-inclusive-Lösung“: Vollautomatisierte Software (manuelle Wartungen, Updates, Sicherungen fallen weg)

▶︎ Templates mit Drag-and-Drop

▶︎ API-First Ansatz

▶︎ Importe ermöglichen Massenverarbeitungen von Produkt- oder Kundendaten

▶︎ Integration und Konfiguration von Standard-Geschäftsprozessen (Login, Registrierung, Kaufprozess,…) möglich

▶︎ Unterstützung wichtiger ERP- und Warenwirtschaftssysteme

▶︎ Anbindung gängiger Zahlungsmethoden und Versanddienstleister 

▶︎ Echtzeit-Monitoring (gebührenpflichtig)

▶︎ Hohe Sicherheitsstandards (PCI-Konformität, Unterstützung von 3D Secure Checkouts, Zwei-Faktor-Authentisierung, SSL-Zertifikat)

▶︎ Multichannel Selling (Google Shopping, Amazon, ebay, Instagram/Facebook), ohne Extrakosten

▶︎ Hohe Skalierbarkeit 

▶︎ App-Store mit weiteren Design-Templates (SEO-optimiert)

▶︎ Schwachstelle (Basisversion) = Mehrsprachigkeit (nimmt Einfluss auf SEO und User Experience)

▶︎ Shopify-Payments nicht weltweit verfügbar

Shopify verfügt über eine großartige Vielfältigkeit sowie Flexibilität und ist mit über einer Million Händlern weltweit der größte Anbieter für Cloud-Shop-Systeme.

Jedoch bekam der Anbieter Mitte 2020 Konkurrenz von Shopware, welcher sein Produktsortiment erweiterte und seinen Kunden erstmals auch ein Cloud-Shopsystem anbietet. Mit Shopware-Cloud will das deutsche Unternehmen vor allem den Einstieg in das Online-Geschäft erleichtern, welches mit Anfang der Corona-Pandemie (2019) stark zugenommen hat. 

Shopware gehört ebenfalls zu einem der bekanntesten und etablierten Shop-Anbietern und ist insbesondere in Deutschland vertreten. Mit seinen rund 20 Jahren Erfahrung bietet es On-Premise-Lösungen, welche mit eigenen IT-Ressourcen oder über ein Hosting laufen können. Update und Wartung liegen demnach in der Eigenverantwortung. Ein Hindernis für wenig technikaffine Händler, wie eingangs erwähnt. 

Um diese Angebotslücke zu schließen, gab Shopware 2020 sein neues Geschäftsfeld bekannt: Cloud-basierte E-Commerce-Lösung auf Basis von Shopware 6. Ähnlich wie bei Shopify lässt sich hier ohne Entwicklungsaufwand schnell und einfach ein Onlineshop konfigurieren. 

▶︎ Voller Funktionsumfang der Standard-Version von Shopware 6 (= Open Source)

▶︎ Integration und Konfiguration von Standard-Geschäftsprozessen (Login, Registrierung, Kaufprozess,…) möglich

▶︎ Anbindung der gängigsten Zahlungsmethoden und Versanddienstleister über Partner Mollie oder SendCloud möglich, jedoch in geringerem Umfang als bei Shopify 

▶︎ Verknüpfung der Erlebniswelten (Content und E-Commerce)

▶︎ Baukastenprinzip

▶︎ Content Erstellung und Pflege per Drag-and-Drop

▶︎ Starke Entwicklung des Funktionsumfangs mit neuen Features und Updates

▶︎ Shopware App-Store mit weiteren Design-Templates, jedoch mit deutlich geringerem Umfang als bei Shopify

▶︎ Hinzufügen eigener Funktionalitäten mit kostenpflichtiger On-Premise-Variante

▶︎ (Noch) fehlende Tools zur Massenverarbeitung von Inhalten/Produkten 

Shopware-Cloud ähnelt der E-Commerce-Löung von Shopify, ist jedoch aufgrund seines reduzierten Funktionalitätsumfangs und Möglichkeiten eher ungeeignet für größere Onlineshops mit sehr vielen Produkten.

Achtung bei Shopify mit dem Datenschutz!

Auf dem deutschen Markt und im EU-Raum spielt das Thema Datenschutz im Netz eine wichtige Rolle. Mit der im April 2017 verabschiedeten EU-Datenschutzgrundverordnung gingen zahlreiche Änderungen und Pflichten für Onlineshopbetreiber einher. Die DSGVO-Konformität eines Shops ist Grundvoraussetzung für das Vertrauen von (potenziellen) Kunden. 

Hierbei ist es jedoch wichtig zu wissen, dass Anbieter und Unternehmen aus Nicht-EU-Ländern nicht an diese Richtlinien gebunden sind und somit beispielsweise ein Shopify-basierter Shop nicht automatisch rechtssicher für den deutschen Markt ist. Die Verantwortlichkeit und Sicherstellung des Datenschutzes obliegt dem Onlineshopbetreiber, da die Anbieter als sogenannte Auftragsverarbeiter gelten. Um bei Shopify den Datenschutz sicherzustellen, müssen Konfigurationen und Anpassungen am System vorgenommen werden. Hierfür wird Entwickler-Know-How benötigt. 

▶︎ Achtung: Bei App-Erweiterungen des Shopify App-Stores gelten andere Regelungen. 

Shopify vs WooCommerce: All-inclusive Lösung oder Plugin-Variante? 

Wie bereits erwähnt zeichnet sich Shopify durch seinen großen Funktionsumfang und seinen reduzierten Entwickler-Aufwand aus, wovon kleine und mittelständige Unternehmen maßgeblich profitieren können. Während Shopify ein kostenpflichtiges, geschlossenes System darstellt, ist WooCommerce ein kostenfreies Shopsystem als WordPress-Plugin.

WordPress ist eine Open-Source-Software, welche vor allem für textbasierte Inhalte einer Website, wie Blogs, konzipiert wurde. Durch die Ergänzung mit WooCommerce wird der Funktionalitätsumfang des Systems erweitert und um ein vollwertiges Content-Management-System (CMS) ergänzt. Diese Erweiterung macht einen professionellen Onlineshop möglich. 

Wordpress Themes
WordPess Themes

▶︎ Kostengünstiges Shopsystem mit Open-Source-Software und großer Community

▶︎ Vollwertiges Content-Management-System 

▶︎  Zusätzlicher manuelle Aufwand für Wartung und Sicherheit

▶︎ Zahlreiche Erweiterungen für Spezialfunktionen (ggf. kostenpflichtig)

▶︎ Modularer Aufbau und einfache Bedienbarkeit

▶︎ Hohe Skalierbarkeit 

▶︎ Unterstützung wichtiger ERP- und Warenwirtschaftssysteme

▶︎ Breite Überstützung von Zahlungsanbietern (konfigurierbar)

▶︎ Stabilität und Performance abhängig von jeweiliger Hosting-Infrastruktur

▶︎ Multichannel Selling (Amazon, ebay, Instagram/Facebook), z.T. gebührenpflichtig 

▶︎ Größere Möglichkeiten für Suchmaschinenoptimierung (SEO) und Content-Marketing-Strategien

▶︎ Kostenpflichtige Übersetzungs-Tools (Plugin WPML) gewährleisten Mehrsprachigkeit und Internationalität 

▶︎ Kostenlose und kostenpflichtige Themes (Auswahl umfangreicher, jedoch bei Shopify professioneller und ausgereifter)

▶︎ Einsteigerfreundlich für WordPress-geübte Nutzer

▶︎ Entwickler-Aufwand und Know-How benötigt

Im Gegensatz zu Shopify ist WooCommerce, keine All-inclusive-Lösung. Wer auf WordPress mit dem entsprechenden Plugin zurückgreifen möchte, muss mit viel eigenem Entwicklungsaufwand sowie Wartungsarbeiten rechnen. Jedoch bietet das WooCommerce Plugin eine Vielzahl an Gestaltungsmöglichkeiten und SEO-Optionen. Zudem sind Shops mit dem System international gut umsetzbar. Wer auf eine kostengünstige Alternative zurückgreifen möchte und den Aufwand nicht scheut, ist mit WooCommerce gut beraten. Dennoch ist zu beachten, dass das auch bei dieser Lösung auf die Rechtssicherheit zu achten ist und ggf. Extrakosten für spezielle Plugins hinzukommen können, welche den finanziellen Rahmen sprengen könnten. 

FAZIT: Cloud-Shopsystem oder Open-Source-Lösung?

Ob ein Cloud-Shopsystem oder eine Open-Source-Lösung für den jeweiligen Onlineshop in Betracht kommt, hängt von den Bedürfnissen und Anforderungen des jeweiligen Shopbetreibers ab. Mit einem cloudbasierten System von Shopify erhält ein Webshop im Vergleich zur Open-Source-Lösung eine Komplettlösung mit wenig Aufwand, jedoch mit einem geringerem Individualisierungsgrad.

Shopify, als Cloud-Shopsystem, steht aufgrund seines zeitlichen Entwicklungsvorsprunges klar an der Spitze in Sachen Funktionalität und Usability-Optimierung. Vor allem durch seine einfache und intuitive Bedienung überzeugt das System KMU. In Sachen Datenschutz schneidet der kanadische Anbieter jedoch nicht gut ab. Hierbei bedarf es Know-How bei den jeweiligen Anpassungen.

Im Gegensatz dazu steht das Shopware Cloudsystem, welches Daten auf europäischen Servern innerhalb des Shopware Cloud-Netzwerkes speichert. Obwohl sich die Shopware Cloud noch stark in der Entwicklung befindet, kann der deutsche Anbieter mit seinem neuen und schnell wachsenden Geschäftsfeld innerhalb kürzester Zeiz aufholen und ein ernstzunehmender Konkurrent von Shopify werden – auch aufgrund seiner langjährigen Erfahrung in der Branche.

Als eine weitere und, auf den ersten Blick, kostengünstige Alternative kann WooCommerce betrachtet werden. Allerdings darf hierbei nicht vergessen werden, dass es sich bei WooCommerce nicht um eine funktionsreiche All-inclusive-Lösung wie bei Shopify handelt, sondern um eine Open-Source-Lösung. Die bedeutet zwar eine große Community und viele Erweiterungsmöglichkeiten durch Plugins, jedoch gesellen sich zu dem kostenfreien Open-Source-Plugin Webhosting- und DomainGebühren, Ausgaben für Design und Marketing sowie zum Teil Kosten für die jeweiligen (und teilweise notwendigen) Erweiterungen.

Die Wahl des passenden Shopsystems sollte gründlich und vorausschauend geplant werden. Eine pauschale Aussage kann hierbei nicht getroffen werden und bedarf stets einer individuellen Prüfung der jeweiligen Anforderungen und Bedürfnisse.

Toni
Geschrieben vonAntonia

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