22 Okt´2020

Schlusslicht: Deutschland hinkt dem Glasfaser-Internet hinterher

Toni
Antonia - SEO & Online Marketing
18 min Lesezeit

Eine schnelle Internetverbindung ist bedeutend für eine stabile Wirtschaft und reibungslose Arbeitsweise. Insbesondere in der Corona-Krisenzeit werden die heimischen Internetleitungen durch Homeoffice und Homeschooling sowie Netflix & Co. zum Glühen gebracht und sind wichtiger denn je. In Zeiten in denen Themen wie Digitalisierung und Diskussionen um den Ausbau des Glasfasernetzes nahezu an der Tagesordnung sind, werden Defizite in der Realisierung während der Pandemie deutlich wie nie zuvor. Warum Deutschland noch immer im EU-Vergleich, bezüglich der Netzverbindung, hinterherhinkt und welche Folgen dies für E-Commerce-Treibende haben kann, erfahrt ihr in diesem Blogartikel.

INHALT

  1. Durchschnittliche Internetgeschwindigkeit in Deutschland 
  2. Hindernisse für das Glasfaser-Internet 
  3. Auswirkungen mangelnder Internetgeschwindigkeit Deutschlands
  4. Größter und bester Internetanbieter zu einem Drittel in Staatshand
  5. FAZIT – Schnelles Internet in weiter Zukunft

Durchschnittliche Internetgeschwindigkeit Deutschlands 

Obwohl die EU das Ranking der 25 Länder mit der schnellsten Internetverbindung weltweit dominiert, schneidet Deutschland am schlechtesten ab und landet auf dem letzten Platz. Investitionen in die Infrastruktur des Internets sowie in den Breitbandausbau sind längst keine Spielereien mehr, sondern Investitionen in die eigene Wirtschaft. Dies haben viele EU-Nachbarländer und auch Nationen weltweit bereits erkannt, jedoch haben bei weitem noch nicht alle Länder die Relevanz und Dringlichkeit von kontinuierlichem Netzausbau verinnerlicht. So hinkt auch Deutschland dem Wettbewerb hinterher.

Internetgeschwindigkeit Deutschland
Quelle: websitetooltester

Auffällig ist, dass unter den 25 schnellsten Internetverbindungen, 18 Plätze an EU-Länder vergeben sind, die Liste jedoch vom asiatischen Raum angeführt wird. Taiwan führt die Liste an und dies ist keine Ausnahme. Bereits vor 10 Jahren war Asien Spitzenreiter, wenn es um Investitionen in Internetzugänge, insbesondere im Glasfasernetz, ging. Im Jahr 2008 waren 27 der weltweit 32 Millionen Glasfaserzugänge in Asien installiert. Damals belegte Taiwan neben Südkorea, Hong Kong und Japan einen der ersten vier Plätze – Deutschland blieb fernab davon.

Als Basis für dieses Ergebnis wurden 200 Länder hinsichtlich ihrer Downloadgeschwindigkeit (Referenz: 5GB-Film) bewertet. Im Test versagte die durchschnittliche Internetgeschwindigkeit in Deutschland im Vergleich zum Spitzenreiter Taiwan kläglich und benötigte, für die gleiche Datenmenge an Download, 19 Minuten länger.

Das größte Problem in der Bewältigung der Misere, des mangelnden Ausbaus des schnellen Glasfaser-Internet, ist der mangelnde Antrieb der Politik, aktiv zu werden. Während Helmut Schmidt 1981 noch einen Breitbandglasfaserausbau in gesamt Deutschland vorantreiben wollte, wurde dieses Vorhaben unter Helmut Kohl den Bundesländern überlassen, was zur Folge hat, dass die Thematik des deutschen Glasfasernetzes nicht mit der Intensität vorangetrieben wird, wie es in anderen Ländern bereits seit Jahren der Fall ist. 

Hindernisse für das Glasfaser-Internet 

Ziel ist es bis dato ein flächendeckendes Gigabit-Internet-Netz bis 2025 zu gewährleisten. Eine flächendeckende Versorgung bedeutet, dass die Gigabit-Anschlüsse (1.000 Megabit/Sek) nicht nur in Ballungsräumen wie Großstädten, sondern in jedem Privathaushalt, jeder Schule und öffentlichen Einrichtung vorhanden ist. Laut Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, haben fast 30 % der ländlichen Regionen in Deutschland keinen schnellen Internetzugang. 

„Eine digitale Spaltung zwischen gut versorgten Ballungsräumen und unterversorgten Regionen darf es im Jahr 2020 nicht mehr geben.“

G. Landsberg

Die Gigabit Downloadgeschwindigkeit kann am besten mit Glasfaserleitungen erreicht werden. Bei dieser Art der Signalübertragung, werden Daten optisch in Form von Licht übertragen, anstatt über die elektrische und störungsanfällige Signalübertragung. Direkten Anschluss an das Glasfasernetz (FTTH = Fibre to the home) hatten Ende 2019 nur etwa 12 % aller Haushalte in Deutschland. Mit diesem Ergebnis sicherte sich die Bundesrepublik im EU-Vergleich einen der letzten Plätze.

Allem voran ländliche Regionen fallen im digitalen Zeitalter immer weiter zurück. Ballungszentren in Großstädten sind für Unternehmen lukrativer als Vororte, Kleinstädte oder ländliche Regionen, da diese über die nötige Vernetzung oder sogar Glasfaser-Internet verfügen, die in vernachlässigten Regionen fehlen oder bestenfalls mangelhaft sind. Dies hat zur Folge, dass die Städte voller und die Infrastruktur immer belasteter ist. Die Unterschiede zwischen Land und Stadt werden immer gravierender, was zudem die Frage der Chancengleichheit auswirft. Um dieses Ungleichgewicht auszugleichen, Chancengleichheit zu schaffen und das gesteckte Ziel bis 2025 zu erreichen, wurde die Förderung für den Glasfaser-Internet-Ausbau in Milliardenhöhe ins Leben gerufen. 

Aber warum findet trotz der Förderung durch den Bund kaum ein Ausbau des Netzes statt?

Eines der Probleme liegt in den Förderungsbedingungen. Das Förderungsprogramm umfasst nur Gebiete, in denen kein Markt-getriebener Ausbau stattfindet. Das klingt zunächst sehr löblich, jedoch fließen Fördergelder in der Regel erst nach abgeschlossenen Infrastrukturmaßnahmen, sprich die Gemeinde oder Stadt muss die Maßnahmen vorfinanzieren. Dies ist für viele und insbesondere für kleine Gemeinden finanziell nicht stemmbar. Die Förderung kann Grundlegend durch zwei Modelle beantragt werden. Das „Wirtschaftlichkeitslücken-Modell“, wobei durch die Förderung die Lücke geschlossen wird, die sich für Telekommunikationsfirmen ergibt, da die Installation in ländlichen Regionen nicht lukrativ genug ist und die Betriebs- und Investitionskosten den Gewinn übersteigen. Das „Betreiber“-Modell geht in die entgegengesetzte Richtung. Kommunen bauen selbst das Glasfasernetz aus, welches sie anschließend an Telekommunikationsunternehmen verpachten und erhalten dafür eine Förderung in Höhe von 30 Millionen Euro. 

Grundlegende Probleme dabei sind:

– Zu lange Genehmigungsverfahren

– Zu viel Bürokratie

– Mangelnde Rentabilität für Netzbetreiber (Telekom, Vodafone, etc.)

– Zu wenig Baukapazitäten

– Fehlende Akzeptanz für alternative Verlegungstechniken (z.B. Micro-Trenching)

Auswirkungen mangelnder Internetgeschwindigkeit Deutschlands

Was bedeutet das mangelhafte Netz konkret für den E-Commerce? 

Eine gute Internetgeschwindigkeit steht im direkten Zusammenhang mit der Performance einer Website. Lädt eine Seite nur eine Sekunde langsamer, entspricht dies einem Rückgang der Conversion Rate um 7 %. Gegenteilig bewirken 100ms schnelleres Laden eine 1%ige Steigerung des Umsatzes. Im E-Commerce geht es somit um jede Millisekunde (Ladezeit).

Page Speed
Quelle: norisk.group

Lasst uns dies an einem Beispiel verdeutlichen: Bei einer Beschleunigung der Antwortzeit des Servers um 33 % (1,5 Sek auf 1,0 Sek) schlägt sich dies in 5 % mehr Umsatz nieder. Bei einem Umsatz von 300.000 € sind es 15.000 € mehr Umsatz im Monat und 180.000 € im Jahr – nicht übel für eine halbe Sekunde weniger Ladezeit. 

Aber auch wenn eine Seite optimal ausrichtet und Bildgrößen anpasst, Lazy Loading oder Caching implementiert werden, kann dies eine Internetverbindung mit schlechter Download/-Uploadrate nicht ganzheitlich aufwiegen. Hinzu kommt, dass Kunden immer mehr Performance erwarten – auch von einer Website oder einem Onlineshop. Animationen oder andere Besonderheiten halten den Nutzer bei Laune und anmieren ihn im besten Fall zum Kauf. Auf der anderen Seite nehmen sie jedoch Ladezeit in Anspruch, welche wiederum die User-Experience beeinträchtigen kann. Der Shop- oder Websitebetreibende muss sich somit entscheiden, ob er seine Seite so schlicht wie möglich hält, um Ladezeiten zu reduzieren oder ob er Absprünge in Kauf nimmt, weil die Usability leidet. Kurz um: Egal wie gut die Website oder der Onlineshop optimiert ist, eine schlechte Netzverbindung kann allen Bemühungen einen Strich durch die Rechnung machen und wertvollen Umsatz kosten. 

Zudem beeinflusst die Ladezeit direkt das SEO-Ranking in Google. Um auf denersten drei Seiten des Google Rankings zu erscheinen, reicht es nicht mehr aus, eine hervorragende SEO-Arbeit zu leisten. Häufig wird eine Server Response Time (SRT) unter 300ms besser bewertet und somit auf einer höheren Position geranked! 

Was kannst du als Shopbetreiber tun?

Um das Shopping-Erlebnis der Kunden so angenehm wie möglich zu gestalten und den Shop auch während unterbrochener Verbindung stabil zu halten, können sogenannte PWAs hilfreich sein. Die Progressive Web Apps verhalten sich wie native Apps, befinden sich jedoch im Browser in der Website angebunden. Größter Vorteil von PWAs: Sie laden Seiteninhalte bereits im Hintergrund, während eine andere Produktseite (PDP) angesehen wird. Dadurch werden Funklöcher oder kurzzeitig ausbleibendes Internet überbrückt, ohne das der Kunde es merkt.

PWA als Lösung?

Jedoch ist auch diese Variante nicht die Lösung des Problems, sondern vorerst eine Überbrückungsmaßnahme. Aufgrund der stetig steigenden Ansprüche der KonsumentInnen und dem Bedüfnis Inhalte so schnell wie möglich zu konsumieren, wird es in Zukunft immer schwieriger Datenmengen so weit zu reduzieren, dass sie auch bei bestehender schlechter Verbindung gut performen. 

Nicht nur für Onlineshop-Betreiber ist eine Glasfaserverbindung in Zukunft von Bedeutung. Insbesondere Firmen, in denen große Datenmengen übertragen werden, ist die Verfügbarkeit einer schnellen Internetgeschwindigkeit in Deutschland unabdingbar. Glasfaser hat dabei einen entscheidenden Vorteil: Die Uploadgeschwindigkeit entspricht der des Downloads. Dies bedeutet bei datenintensiven Übertragungen eine enorme Zeit- und Kostenersparnis.

Wer seine Website auf Geschwindigkeit und weitere Attribute testen will, kann seine Domain bei https://bit.ly/31wxAUW überprüfen. 

Größter und bester Internetanbieter zu einem Drittel in Staatshand

Die deutsche Telekom ist der größte Telekommunikationsanbieter Europas und mittlerweile auch in den USA tätig. Der Konzern mit Bonner Sitz wirbt mit zahlreichen Tarifen zum Glasfaseranschluss sowie dem größten Netz Deutschlands. Eine perfekte Grundlage also für die flächendeckende Versorgung der Bundesrepublik mit Gasfaserkabel. Die Kapazität und Stellung des Konzerns als bester Internetanbieter wären prädestiniert dafür, für ein solches Projekt in Auftrag gegeben zu werden. Interessant wird dieser Gedanke mit der Tatsache, dass die Telekom zu über einem Drittel in Staatsbesitz ist (31,9 %, Stand März 2020). Selbstverständlich müssten Verhandlungen mit weiteren Telekommunikationsunternehmen geführt werden, um eine Monopolbildung zu verhindern. Der Einfluss des Staates zeigt sich jedoch bereits bei Neubauten in Deutschland. Bei diesen haben kupferbasierte VDSL Anschlüsse (Glasfaser) der Telekom den Vortritt vor reinen Glasfaseranschlüssen der Wettbewerber. Diesen Beschluss (BK3e-15-011) fasste die Bundesnetzagentur 2019. Gleichzeitig dürfen Anschlüsse der Konkurrenz durch die Telekom gedrosselt oder sogar abgeschaltet werden, da diese über dieselben Kupferkabel laufen und sich gegenseitig stören würden. Anstatt also der Glasfaser-Technologie den Vortritt zu gewähren, wird die Telekom vor seinen Mitbewerbern durch den Beschluss geschützt.

FAZIT – Schnelles Internet in weiter Zukunft

Online Dienstleistungen, Streaming- sowie Gamingdienste und E-Commerce nehmen mittlerweile einen großen Teil unserer Wirtschaft und unseres Alltags ein. Zudem bestimmt dasInternet zusehens das Schul- und Bildungswesen. Online-Seminare, sogenannte Webinare, oder Homeschooling, wie während des Corona-Lockdowns gehören bald ebenso zur Normalität wie Homeoffice und Meetings über Videokonferenz-Tools. 

Durch die Krise kam es zu einer verstärkten Nutzung und Nachfrage an Online Angeboten und Dienstleistungen. Auch der Handel reagiert auf diesen starken Aufwind. Online- und Social-Media-Marketing-Maßnahmen kommen mehr denn je zum Einsatz. Jedoch kann die Infrastruktur des Internets in Deutschland diesem Trend nicht mehr lange standhalten. Zuletzt [Stand September 2020] fiel Deutschland in Sachen Geschwindigkeit sogar auf Platz 29 im weltweiten Vergleich zurück und mobil auf Platz 35. 

Die Pandemie zeigt unweigerlich wie wichtig schnelles Internet in ganz Deutschland und der Welt ist. Nie war eine gute Vernetzung so wichtig wie in diesen Zeiten. Egal ob Gewerbe, Homeoffice oder Unterricht von Zuhause – eine stabile und schnelle Internetverbindung zählt für die allermeisten Menschen mittlerweile zur Chancengleichheit und der Zugang sollte uneingeschränkt, egal ob auf dem Land oder in der Stadt, gewährleistet sein.

Solange die Politik in Sachen flächendeckendem Glasfaser-Internet nicht einen Zahn zulegt und Firmen sowie die Bevölkerung keinen Druck ausüben, wird der Traum von schneller, flächendeckender und störungsfreier Netzverbindung immer weiter in die Zukunft rücken und Deutschland im weltweiten Vergleich weiter hinter den Wettbewerb fallen. 

Schlusslicht: Deutschland hinkt dem Glasfaser-Internet hinterher 1

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