Voice Search – Herausforderung für den eCommerce?

Siri, Alexa und Co. – Künstliche Intelligenz (AI) ist schon seit einer Weile nicht mehr nur für Science Fiction Schocker reserviert. Sprechende und lernfähige Maschinen sind mittlerweile fester Bestandteil unseres Alltags. Vorwiegend finden wir sie in Form von Smartphones in unserer Hosentasche, aber auch speziell entwickelte Sprachassistenten erobern derzeit den Markt. Die Suchassistentin Alexa (Amazon Echo) ist eines der wohl bekanntesten Beispiele dafür. Alexa beantwortet Fragen, bestellt Produkte für uns. Und hieß es früher noch „Der Letzte macht das Licht aus.“, heißt es heute „Alexa, mach das Licht aus.“

Ganz im Zeichen der Nutzerfreundlichkeit kommt die neue Technologie den Usern entgegen und befreit sie von lästigem Tippen und Autokorrekturen. Die sprachgesteuerte Suchfunktion ist bequem, schnell und einfach. Anstatt knappe, am ehesten zutreffende Stichworte einzutippen, können Nutzer und Nutzerinnen in ganzen Sätzen sprechen, vollständige Fragen stellen, als würden sie eben mit einem persönlichen Assistenten sprechen.

Google veröffentlichte bereits 2014 Zahlen, die deutlich zeigen, dass der Trend hin zur Nutzung von Voice Search nicht zu übersehen ist. Damals gaben bereits 41% der Erwachsenen und 55% der Teenager an, Voice Search im Alltag zu nutzen. Es ist leicht, sich an die Nutzung zu gewöhnen, da die Ergebnisse im laufe der Jahre immer besser geworden sind und Nutzer ihre gewünschten Antworten schnell erhalten. Ein kurzes „Ok Google“ reicht, um im Chrome Browser Antworten, Reiserouten oder Infos über Produkte zu bekommen. Die folgende Abbildung zeigt, dass bereits 2016 eine deutliche Prognose gestellt wurde, wie sich der Voice Search Trend entwickeln wird:

 

 

Voice Search und SEO

Immer mehr Menschen nutzen die Sprachfunktion für ihre Online Suche. Diese Veränderung des Suchverhaltens hat Auswirkungen auf die Suchmaschinen-Optimierung (SEO) von Webseiten, auch von Online Shops. Die Erklärung hierfür ist einfach: Hat sich SEO bisher auf kurze Keywords konzentriert, muss jetzt auf das veränderte Kommunikationsverhalten eingegangen werden. Longtail Keywords gewinnen hierbei an Bedeutung.

Nutzer sprechen mit den Suchmaschinen ähnlich wie in einer Konversation mit einem Mitmenschen und beschränken sich dabei nicht mehr nur auf abgehakte Stichpunkte. So wird aus der Suche nach einem bestimmten Produkt, wie „Pullover Streifen“, eine richtige Frage oder Anweisung: „Wo finde ich Pullover mit Streifen?“ oder „Zeige mir Pullover mit Streifen.“ Die Suchgewohnheiten der Nutzer verändern sich hin zu einer satzbasierte Suche.

Zwischen 2013 und 2015 stieg die Zahl der Voice Search Nutzer in den USA von 30% auf 65%.
Ein weiterer Grund für diese rasante Zunahme ist die schnelle Entwicklung der Technologie und ihre stetige Verbesserung. Die Abbildung zeigt die Zunahme der Genauigkeit in der Worterkennung von Google bis hin zu 95%, was der Worterkennung eines Menschen entspricht, mit dem wir uns beispielsweise in einer direkten Konversation befinden.

 

 

Was bedeutet das für den eCommerce

Die Entwicklung in Richtung tippfreies Suchverhalten ist anhand von Zahlen sehr deutlich zu erkennen. Das bedeutet zwar nicht, dass bisherige SEO Maßnahmen nicht mehr greifen, Shop Betreiber sollten sich aber mit den Änderungen auseinandersetzen, die Voice Search mit sich bringt. Die sprachbasierte Suche sollte demnach bei der Content Optimierung berücksichtigt werden. Gleichzeitig ist aber zu sagen, dass das Rad nicht neu erfunden werden muss. SEO bleibt SEO und bisherige Regeln gelten auch für das neue Suchverhalten der Nutzer und Nutzerinnen.
Dennoch gibt es Möglichkeiten, seinen Content auch für sprachliche Suchanfragen zu optimieren und damit auf die aktuellen Such- und Kommunikationsprozesse im eCommerce Bereich zu reagieren.

1. Longtail Keywords
Suchanfragen, die mit Hilfe der Sprachfunktion gestellt werden, beschränken sich nicht mehr nur auf einzelne Keywords. Die Nutzer stellen Fragen und sprechen in mehr oder weniger ganzen Sätzen mit dem Gerät. Es macht daher Sinn, sogenannte Longtail Keywords zu verwenden. Dabei handelt es sich um Wortkombinationen oder kurze Sätze, die sich von den gängigen kurzen Keywords abheben und damit das Potenzial des Contents erhöhen können.

2. Know your Customer
Oder besser gesagt: Sei die Antwort auf die Fragen deiner Kunden.
Um der gewünschten Zielgruppe als Suchergebnis vorgeschlagen zu werden, muss klar sein, wonach die gewünschte Zielgruppe in der Regel sucht. Shop Betreiber müssen wissen, welche Fragen ihre Kunden haben und wonach sie suchen. Der Content einer Website muss dahingehend optimiert werden und qualitativ hochwertige Antworten auf diese Suchanfragen haben.

3. Mobile First
Dass die Optimierung einer Website für mobile Endgeräte höchste Priorität haben sollte, haben wir bereits in einem unserer Blog Beiträge erläutert. Immer mehr Online Einkäufe finden über das Smartphone oder Tablet statt. Ebenso wird die Sprachsuche zum Großteil auf mobilen Endgeräten genutzt.
Für die Webentwicklung wird also die optimierte Darstellung für kleinere Bildschirme im Zusammenhang mit Voice Search noch wichtiger. Spätestens jetzt, sollten sich Shop Betreiber schleunigst eine Smartphone und Tablet freundliche Website zulegen.

Fazit

Die künstliche Intelligenz der Sprachassistenten wird immer besser. Sie verstehen fast jedes Wort, jeden Satz, und liefern schnelle Antworten. Mit dieser zunehmenden Leistung steigt auch die Nachfrage von Seiten der User. Die Zahl der Suchanfragen über Voice Search nimmt enorm zu und die Ansprüche an Webseiten und Online Shops verändern sich dementsprechend.

Das bedeutet allerdings nicht, dass diese Entwicklungen eine vollständige Neugestaltung der bisherigen SEO Maßnahmen zur Folge haben. Jedoch sollten sich Online Shop Betreiber durchaus damit auseinandersetzen, da es sich bei Voice Search nicht nur um einen kurzen Trend handelt. Um einen Shop weiterhin nachhaltig gut zu positionieren, sollten Inhalte optimiert und die Forschung diesbezüglich im Auge behalten werden.

 

Quelle: Effektiv, KPCB 2016, KPCB 2017