Magento 1 vs Magento 2

Seit im Jahr 2015 Magento 2 auf den Markt kam, hat sich so einiges getan. Damals war vor allem die Entwickler-Community enttäuscht von dem Nachfolger eines der beliebtesten Online Shop Systeme. Noch immer wird Magento 1 viel genutzt, aber warum eigentlich? Wir gehen den Unterschieden der beiden Versionen mit aktuellen Informationen nochmal auf den Grund und stellen euch die wesentlichen Neuerungen in Magento 2 vor.

Mehr Usability für Shopbetreiber

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Das intuitive Backend von Magento 2 wurde bei Release besonders herausgestellt. Und wenn man die beiden Systeme vergleicht, sieht man bereits auf den ersten Blick das sich einiges getan hat. Der neue Anstrich hat Magento sehr gut getan, denn abgesehen von dem cleaneren Design hat die Usability auch deutlich davon profitiert. Man findet sich schnell zurecht und hat allgemein das Gefühl eines schnelleren Arbeitsprozesses. Die Schaltflächen sind zwar touch-friendly, aber richtig responsive ist das Backend zunächst nicht. Mit einer passenden Extention oder manuellen Anpassungen kann der Schritt zur vollständigen Responsiveness aber nachgeholt werden.

Besonders gut hat die Überarbeitung der Produkterstellung getan. Diese geht jetzt wesentlicher einfacher von der Hand und vor allem auch schneller. Gerade wenn es um das Anlegen von konfigurierbaren Produkten mit vielen Varienten geht, hat Magento 2 definitiv die Nase vorn. Während bei Magento 1 die Variantenartikel fast komplett von Hand erstellt werden mussten, läuft das jetzt nahezu automatisch ab.

Mehr Speed - aber nur mit genügend CPU-Power

Ein paar technische Vokabeln dürfen nicht fehlen, wenn es um die Geschwindigkeit geht! In der Liste rechts befinden sich so einige Neuerungen, aber wer sich mit den Einzelheiten nicht auseinandersetzen will, kann es sich einfach machen. Denn das meiste davon zieht auf ein und das selbe ab: Performance!

Aber auch an dieser Stelle musste sich Magento 2 einiges an Kritik gefallen lassen. In der Theorie kann die Performance unter anderem durch nebenstehende Neuerungen sehr gut sein – muss aber nicht. In einigen Tests lag Magento 2 sogar weit hinter seinem Vorgänger. Grund dafür ist zunächst die wesentlich komplexere Architektur, weshalb Magento 2 auf einem leistungsstarken Server betrieben werden sollte. Zwar ist das Full-Page Caching sehr gut und funktioniert wunderbar out-of-the-box – nicht aber zwangsweise mit Extensions von Dritt-Anbietern. In Kombination mit Varnish kann der Shop aber in jedem Fall merklich beschleunigt werden.

Und ein kleines Plus gibt es auf jeden Fall: Die Indizes werden deutlich schneller aufgebaut, an der Stelle gibt es also nicht länger Performanceeinbußen, auch nicht mit umfangreichen Katalogen.

  • PHP 7
  • MySQL 5.6
  • Support für HHVM3.6
  • HTML5, CSS, LESS Präprozessor
  • jQuery als UI library und RequireJS
  • Varnish Cache 4 und Full-Page-Caching
  • Redis
  • Modern JS Stack
  • RabbitMQ
  • Apache Solr Suchtechnologie
  • PHPUnit
  • Composer

Letzten Endes braucht es von allem ein bisschen, damit Euer Shop flott läuft: Eine individuelle Server-Konfiguration, der kluge Einsatz des mächtigem Cachings und am besten noch eine gute Suchengine, die das ganze abrundet. Es erfordert schon ein wenig Fingerspitzengefühl bis Magento 2 richtig schnell wird.

Mehr Kaufabschlüsse durch vereinfachten Checkout

Ein dickes Lob bekomment Magento 2 aber für die Optimierung des Checkout Prozesses. Dieser ist eines der wichtigsten Elemente für einen Online Shop, denn hier finden mitunter die meisten Kaufabbrüche statt. Bei Magento 1 konnte man den Checkout zwar mit Extensions optimieren, aber standardgemäß kommt dieser eher umständlich daher. Bis zu 6 Schritte auf dem Weg zum Kaufabschluss sind aus Usability Sicht eine Katastrophe. Bei Magento 2 wurde das auf 2 Schritte reduziert. Dabei bleibt der Checkout übersichtlich und der User hat immer das Gefühl die volle Kontrolle zu haben.

Erleichterung schafft vor allem die automatische Validierung in Formularen, die auch erkennt, ob ein Benutzer mit der E-Mail-Adresse bereits existiert. Während des Checkouts sieht der User immer die Produkte in seinem Warenkorb inklusive Artikelbilder und natürlich Einzelpreisen, sowie dem Gesamtpreis. Das sorgt für wunderbare Transparenz und macht den Kunden z.B. auf versehentlich hinzugefügte Artikel jederzeit aufmerksam. Alles andere wird im Checkout ausgeblendet, um möglichst wenig Ablenkung zu schaffen und dem User klar zu zeigen, wo die Reise hingehen soll: zum Kaufabschluss.

Nicht zu vernachlässigen ist auch der Fortschritt im responsiven Design des Checkout Prozesses. Magento 2 verfolgt hierbei den Ansatz Mobile First, was das Shoppen auf dem Smartphone zu einem Genuß macht. Und da inzwischen viele Kunden sogar von dem Sofa aus mit dem Handy einkaufen ist das wichtig wie nie!

Und was nun? Magento 1 oder 2?

Es ist keine einfache Entscheidung sich für eine der Beiden Versionen auszusprechen. Die Defizite von Magento 2 in der Performance sind leider nicht zu leugnen. Hinzukommt, dass die komplexere Softwarearchitektur auch den Entwicklern einiges abverlangt und dementsprechend höhere Kosten für den Shopbetreiber entstehen.

Aber wir wollen auch die vielen Vorteile von Magento 2 nicht übergehen. Mit dem intuitiven Backend und dem simplen Checkout-Prozess gibt es wesentliche Optimierungen, die nicht zu unterschätzen sind. Denn auch wenn Magento 2 in der Entwicklung teurer sein mag, spart man sich mit diesen Optimierungen jede Menge manuelle Anpassungen. Gerade der Mobile First Ansatz ist ein Muss für neue Online Shops. Inzwischen sind für Magento 2 auch so einige Extensions und Themes verfügbar im Vergleich zum Zeitpunkt des Release. Wer also gern in die Zukunft blicken möchte, sollte trotz der Problemchen zu Magento 2 tendieren. Denn auch wenn der Support für Magento 1 noch verlängert werden soll, früher oder später wird dieser eingestellt werden. Es wird keine Patches mehr geben und vermutlich wird auch die Community nicht mehr daran weiterarbeiten.

Die Migration von Magento 1 zu Magento 2 kommt abgesehen von dem Inhalten zwar einer Neuumsetzung nahe, aber dennoch kann sie sich lohnen. Gerade wenn der Shop wenig komplex ist und ohne großartige Extensions auskommt. Auch mit einem komplett neuen Online Shop solltet Ihr Magento 2 bevorzugen. Aber vergesst nicht, dass es als Alternative z.B. auch noch Shopware gibt! Magento 2 und Shopware 5 haben wir auch schon für Euch verglichen. Letzten Endes braucht jede Neuumsetzung, jeder Relaunch vor allem eins: eine ausführliche Analyse zu Beginn des Projekts!